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SOPA
Donnerstag, 19. Januar 2012

Ich muss doch nochens kurz auf den gestrigen (18.1.2012) Anti-SOPA-Tag zu sprechen kommen. Ich hab da eine kleinwenig das Gefühl, das ...

1. niemand auch nur im Ansatz kapiert, wie heftig die Nebenwirkungen sein können.
2. das es eigentlich keine ... verdammte ... Sau ... wirklich interessiert.

Lieber nachher jammern als rechtzeitig die Ohren aufmachen.
Des Menschen dominanteste Eigenschaft bei der Arbeit, Hurra!

Zu allererst: SOPA bedeutet Stop Online Piracy Act, ins Beamendeutsch übersetzt etwa Gesetzesentwurf zur Eindämmung von Internet-Piraterie. Es wird derzeit in den USA versucht, dieses SOPA, d.h. diesen Gesetzesentwurf, zu einem gültigen Gesetz zu machen.

USA? Ach, die ist weit weg.

Ja ... VON WEGEN!!! Das ist im Nu überall gültig. Darauf wette ich, beim Belenus.

Wenn wir das Wort Piraten hören und dabei nicht an Johnny Depp denken, fallen uns da eher die schwerbewaffneten schwarzen Männer ein, die aus reiner Boshaftigkeit z.B. deutsche Container- und Kreuzfahrschiffe vor Somalia bedrohen (ganz nebenbei gilt für germanische Schiffseigner: Deutsche Fregatten zum Schutz der Seewege = gut - in Deutschland Steuern zahlen = schlecht). Diese von Grund auf bösen Menschen (=>Piraten) müssen natürlich bekämpft werden, auch deren Vettern aus der Welt des Cyber-Terrorismus.

Somit halten wir fest: Das Wort Piraten bedeutet Böses.

Deswegen kommt in SOPA auch das Wort Piraten (bzw. Piracy) vor, denn das Wort ist böse, im Zusammenhang mit Stop wird es aber wieder gut. Ähnlich wie beim Patriot Act, nur das der ohne die doppelte Verneinung auskommt, da schließlich jeder Amerikaner ein Patriot ist. Noch dazu ein ziemlich Dämlicher, da sich hinter beiden Acts wohl die heftigsten Einschnitte in Sachen Freiheit verstecken, die es jemals in The Super USA gab.

Was zwischen Mexiko und Kanada aber so ziemlich jedem egal ist.

Worum geht es nun bei SOPA? Nun, Rechteinhaber sollen das Recht inne haben, gerichtlich gegen eine Webseite vorzugehen, auf der urheberrechtlich geschütztes Material ungefragt zum Download angeboten wird. So weit, so gut, ist nichts Neues, denn das klappt auch heute schon, ohne SOPA . Manchmal.

Neu ist allerdings, das die Rechteinhaber nach/mit/durch SOPA dann einfach zum nächstbesten Gericht latschen, und die Internetseite vom Netz nehmen lassen können.

Neu ist auch, das sie dafür lediglich einen (mehr oder weniger) begründeten Verdacht benötigen, Beweise sind erstmal unnötig/Zeitverschwendung.

Ebenfalls neu ist, das auch auf diese böse Seite verlinkende (eigentlich harmlose) Seiten gleich mit vor Gericht gezerrt werden sollen, bzw. natürlich deren Besitzer. Verlinkt somit Hans Schmitz-Backes auf seiner privaten Opel-Manta-Tüftler-Page eine Seite, auf der (sei es auch nur für kurze Zeit oder versehentlich, völlig wurscht) urheberrechtlich geschütztes Material rumlungert, kann auch der Hans gleich seinen Anwalt anrufen. Was da für den guten Hans an Kosten zusammenkommt, wollen wir gar nicht wissen. Unter welchen juristischen Hürden er anschließend (nach mühsamer Entfernung aller bösen Inhalte) seine Webseite wieder Online bekommt, wollen wir noch viel weniger wissen. Mit einem Anruf gottweiß wo ist es sicher nicht getan.

Eine der richtig heftig verlinkenden Seiten wäre dann zum Beispiel des Menschen traumhafteste Erfindung, die allseitsbeliebte Online-Bibliothek Wikipedia, die auf zig Millionen Seiten um die 100 Millionen Links auf fremde Webseiten anbietet. Damit sich Wikipedia nicht strafbar macht, müssten deren ehrenamtliche Mitarbeiter theoretisch jeden einzelnen der paar 100 Millionen Links händisch auf pirateristische Inhalte überprüfen, was ganz einfach nicht machbar ist.

In den USA wurde das ganze Thema von der Presse übrigens sehr erfolgreich totgeschwiegen, da mehr als die Hälfte aller Sendeanstalten irgendwelchen Geldsäcken gehört (u.a. Rupert Murdoch), die gerne noch reicher werden wollen. Daher auch der Streik der englischsprachigen Wikipedia, um die Amis förmlich dazu zu zwingen, sich für das Thema zu interessieren.

Beim Anblick der "blacked out" Wiki-Page, die am 18.1.2012 für 24 Stunden jeglichem englischsprachigen Wiki-Benutzer anstatt der üblichen Seiten kredenzt wurde, wird mir noch immer warm ums Herz.



Nur traurig, das die deutschsprachige Wikipedia da nicht mitgemacht hat. Kein Wunder, die meisten Entscheider wussten wahrscheinlich selber nicht, um welches heiße Eisen es geht.

Kommen wir nochmal auf das Verlinken mit anderen Webseiten zurück. Da ich keinen Bock habe, wegen Verstößen anderer in den Knast zu wandern (und darauf liefe SOPA hinaus), würden aus meinem kleinen Internetauftritt, dessen Existenz einzig und allein meiner Liebe zum Motorradfahren geschuldet ist, sämtliche Links auf interessante Seiten anderer ... rausfliegen. Weg, Tschüss, auf Wiedersehen.

Wenn das jeder macht, was bekommen wir dann? Ganz genau: Ein Internet, das aus vielen kleinen Inseln besteht, die alle nichts voneinander wissen.

Beantworten wir doch auch gleich die Frage, was überhaupt mit "Copyright" bzw. "urheberrechtlich geschütztem Material" gemeint ist. In gewissem Sinne (und so wird es sein) fiele auch das folgende Stück Zeitgeschichte unter die Zensur. Wohlgemerkt, hier handelt es sich nicht um die offiziell freigegebene Version, somit nicht um die Kindergarten-Ausgabe. Wir reden hier vom blutigen Charme der unzensierten Wahrheit, so bitter sie auch sein mag. Richtig interessant wird das Video im hinteren Drittel, man muss es somit in voller Länge "genießen".



Update (Mai 2012):
Das ursprünglich von mir gezeigte Video ist auf Youtube verschwunden. Ob ganz freiwillig, mag bezweifelt werden. Aber es gibt eine wikileaks-eigene Seite, auf der es in Kurz- und Langfassung zu finden ist.

=> http://www.collateralmurder.com




Hier eine Version von Spiegel TV, mit deutschem Kommentar:





Jener schlechte Mensch wäre in diesem Fall der Copyright-Verletzter ...




... und hier der Terrorist, dessen Gleichgesinnte das Attentat ausgeführt und gefilmt haben.
Man sieht auf Anhieb, keine Frage, in dem Typen wohnt das abgrundtief Böse.



Der böse Verleger ist selbstredend Julian Assange, der sich kurz nach Veröffentlichung des Videos (und noch ganz anderer Dokumente) gleich zweier Vergewaltigungs-Anklagen stellen musste, die über 400 Tage nach Anklage noch immer auf Klärung warten.

Der böse Terrorist ist Bradley Manning, ein junger US-Soldat, der verdächtigt wird (!) das Video Wikileaks zugespielt hat. Weiß man aber nicht genau, wird wohl auch noch etwas dauern bis alles aufgeklärt ist. Solange verrottet er unter der Fuchtel des lieben amerikanischen Militärs in diversen Gefängnissen.

Manning wartet seit mehr als 600 Tagen darauf, sein Schicksal zu erfahren.

Es wird wohl auf eine Entscheidung zwischen lebenslänglich und extra-knusprig hinauslaufen, soviel steht fest. Immerhin hat er Hochverrat begangen, indem er die verfilmte Tötung von Menschen ans schwarz-weiße Tageslicht brachte.

Für diese unmenschliche Böswilligkeit ... dafür fordern manche, tja ... die Todesstrafe.

Wir sind etwas vom Thema abgekommen. Wie komme ich auf das Video und die dazugehörigen Terroristen?

Ach ja: Wenn SOPA oder etwas Vergleichbares kommt, dann war es das entgültig mit ...
• Seiten wie Wikileaks
• der Pressefreiheit
• der Redefreiheit
• der Meinungsfreiheit
• und dem ganzen anderen Kram.

Klingt alles total überzogen, ich weiß. Legt euch wieder hin, schlaft weiter, wird alles gut.

Wie auch immer, das Jahr 2012 dürfte noch einige Überraschungen für uns bereit halten.

Bevor ich entgültig das Kotzen kriege, mache ich lieber Schluss und Feierabend für heute.

Schönen Tag noch,

Der Mä


Kommentare:

trenc

Donnerstag, 19. Januar 2012 - 10:13 Uhr

http://www.yablo.de/
Ich kann Deinen Unmut durchaus nachvollziehen. Falls SOPA verabschiedet wird, könnte so das »neue« Internet aussehen. Es ist aber wie in jedem anderen Fall. Die Meisten interessiert das gar nicht bzw. sehen das alles gar nicht so schlimm oder hoffen das es nicht so schlimm werden wird.

Mittlerweile werden zwar auch in den US of A einige kritische Stimmen laut, aber die Unterstützung im Repräsentantenhaus und Senat ist immer noch 2/3 zu 1/3 - innerhalb beider politischen Lager wohlgemerkt.


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