
Elba ist mit seinen 30 Kilometern Durchmesser von West nach Ost und 10 Kilometern Breite von Nord nach Süd eine recht kleine Insel, und somit als Haupt-Urlaubsziel für Tourer doch etwas zu klein. Jedoch, wer die Kosten der Überfahrt nicht scheut, dem sei Elba für einen Abstecher nur empfohlen.
Gerade wenn man z.B. aus der Toscana oder den Alpen kommt, sind ein paar Tage am Meer bestimmt für jedermann sehr erholsam. Für drei bis vier Tage lohnt es sich allemal. Wenn man innerhalb dieser Zeit jeweils ein halbes Tourer-Tagespensum absolviert, kennt man in Elba fast jede befestigte Straße, die Hälfte der Unbefestigten und vielen Sackgassen noch dazu.

Das wirklich nette an so einer kleinen Insel:
Fast egal wo man sich gerade befindet, man sieht immer das Meer. Man fährt einen Berg rauf, mit dem Meer im Rücken. Man fährt den Berg auf der anderen Seite wieder runter, mit dem Meer vor der Nase. Auf Küstenstraßen ist's natürlich auch nicht weit entfernt.
Wer beim Buchen der Unterkunft keinen großen Fehler macht, hat auch vom Balkon aus einen tollen Blick aufs Wasser, wie in meinem nichtgelungenen Sonnenuntergangs-Panoramabild zu sehen ist.
Vom Festland kommt man meines Wissens nach nur von
Piombino/Italien aus nach Elba. Piombino ist gerade mal 10 Kilometer vom Nord-Ost-Zipfel Elbas entfernt, man kann also sein Reiseziel schon im Hafen am Horizont erspähen.
Die Überfahrt dauert in etwa eine Stunde, nicht mitgerechnet die Wartezeit am Hafen, das ein- und ausladen der Motorräder, und die Zeit, bis das ganze Volk sich auf der Fähre eingefunden und dort zurech pussenmentiert hat.
3-4 Stunden sollten also für den kurzen Weg nach Elba schon eingeplant werden.
Der Fährhafen in
Piombino ist zwar kein gewaltiger welcher, jedoch hat er alles zu bieten was einen Hafen ausmacht: Schiffe, viele Autos, dreckiges Wasser, Gestank von Autoabgasen, Schiffsdiesel und Salzwasser; kurzum: es duftet gewaltig nach Seereise. Die einen finden es widerlich, mich aber hat der Gestank bei meinem Elba-Besuch im Jahr 1999 an so manch schöne zurückliegende Überfahrt und den daran hängenden Urlaub erinnert.
Neben den schon aufgezählten Sachen, die einen Hafen zu einem Hafen machen, gibt’s dort natürlich auch viele Menschen. Und nicht alle denken nach dem Prinzip 'meins ist meins und deins ist deins', da kann's durchaus zu
Verwechslungen kommen.
Vorsicht ist also angesagt. Wer mit dem Gepäck nach Hause kommen will, mit dem er in Urlaub gefahren ist, sollte auf seine Sachen Acht geben. Schlüssel steckenlassen oder Handy einfach im Tankrucksack liegen lassen kommt einer Einladung zu bereits erwähnte
Verwechslungen gleich.
Der portoferraio'sche Hafen ist etwas kleiner und vor allen Dingen auch kompakter. 100 Meter nach der Fährausfahrt landet man auf der Strandpromenade und der Einkaufsmeile.
Die Bilder weiter unten im Abschnitt 'Chaos in den Häfen' sind in
Portoferraio geknipst worden.

Lange anstehen ist für Biker natürlich nichts. Wir haben uns damals auch in der Auto-Schlange eingereiht und kamen uns irgendwann dämlich vor, als das weiß der Henker wievielte Motorrad an uns vorbei nach vorne schlich.

Für alle, die es aus irgendeinem Grund zu peinlich finden sich überall durchzudrängeln, sei gesagt: Motorräder gehen bei den meisten Fähren eh zuerst an Bord! Eure Hobel werden irgendwo an den Seiten festgestrapst, vorzugsweise ganz vorne oder hinten. Wenn ihr mittendrin mit euren Kisten angeschlabbert kommt, überfordert ihr lediglich das Personal, die wissen dann kaum wohin mit den Maschinen.

Somit: Schlange rechts liegen lassen und nach vorne fahren.
Von dort hat man auch einen besseren Ausblick auf das Treiben im Hafen.
Zudem sind die meisten Fähren mit zwei Laderampen ausgestattet.
Der Hauptvorteil für Autos besteht darin, das sie vorwärts rein- und auch vorwärts wieder rausfahren können.
Der Hauptvorteil für zuerst hineinfahrende Bikes ist, wer zuerst reinfährt, der kommt auch zuerst wieder raus! Während der letzte Kadett sich noch aus der Ladebucht und dem Stau im Hafen zwängt, liegt man als Zweiradler schon auf der Insel-Südseite in der Sonne.
In den Häfen herrscht teilweise das Chaos. Die einen wollen rein, die anderen wollen raus. Kombiniert mit agressiver Fahrweise ist es da nicht nur sehr gemütlich, dem fix zu entkommen, sondern auch der Sicherheit wegen sehr zu empfehlen.
In
Piombino ist der Hafen deutlich vom Rest der Stadt abgegrenzt, und es gibt vernünftig Platz für den ganzen Verkehr. In
Portoferraio dagegen ist alles etwas kuscheliger und damit bei viel Betrieb auch chaotischer.

Allzulange braucht man es sich auf der Überfahrt nicht gemütlich zu machen. Die Überfahrt dauert mit einer normalen Fähre etwa eine Stunde. Es gibt auch noch Schnell-Fähren, die schon in einer Halben fertig sind, aber die habe ich damals unwissenderweis nicht getestet.
Während der Fahrt kann man es sich auf Deck einrichten oder sich im Fähreninneren von Kindern über den Haufen rennen lassen.
Sofern man das Gepäck nicht abgeschnallt und neben sich liegen hat, sollte man während der Fahrt ab und an einen Blick auf die Bikes werfen. Als ich Jahre zuvor per Fähre von Barcelona nach Ibiza geschifft wurde, waren die Laderäume während der 10-stündigen Überfahrt verschlossen, auf der kurzen Reise von Piombino nach Elba sind sie jedoch die ganze Zeit offen und der Betrieb in der Ladebucht ist ungebrochen.

Die Tickets für die Überfahrt sollte man sich umgehend besorgen. Das heißt, wenn man in Piombino ankommt nicht erst Hotel suchen, was futtern gehen, sich an den Strand legen, nein, direkt zum Hafen fahren und sich die Tickets sichern.
Die Fähren legen etwa alle 1-2 Stunden ab. Gerade in der Hauptsaison kann es aber gut und gerne dazu kommen, das die nächste oder gar mehrere Fähren ausgebucht sind, man auf eine spätere Fähre ausweichen muss, und der halbe Tag nur mit Warterei im Hafen verplempert wird.
Nach Elba fahren zwei Fährgesellschaften, Toremar und Moby Lines.
Toremar ist ein wenig preiswerter. Für ein Motorrad muss man ca. 12 Euro löhnen, für eine Person ca. 7 Euro. OneWay, versteht sich. Die Preise können schwanken, jenachdem zu welcher Tageszeit man fahren will, ob man das Rückflugticket direkt mitbucht, zu welcher Jahreszeit ... usw.